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Foto: Brigitte Kühn, Informationen zu Creative Commons (CC) Lizenzen, für Pressemeldungen ist der Herausgeber verantwortlich, die Quelle ist der Herausgeber

Digitaler Stress: Unser Gehirn kann viel – aber Dauerfeuer war nicht eingeplant

Digitaler Stress: Unser #Gehirn kann viel – aber #Dauerfeuer war nicht eingeplant

Ich wollte eigentlich nur nachsehen, wie spät es ist. Wirklich nur das.

Dann entdecke ich eine neue #Nachricht. Darunter eine #Schlagzeile, die interessant klingt. Kurz darauf weiß ich, was eine ehemalige Kollegin zum #Frühstück gegessen hat, wie das Wetter am Wochenende wird und welche sieben Dinge angeblich mein Leben verändern sollen.

Nur die Uhrzeit habe ich vergessen.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Solche Momente wirken harmlos. Tatsächlich zeigen sie ziemlich genau, was unser Gehirn heute jeden Tag leisten muss. Es soll innerhalb weniger Sekunden lesen, bewerten, entscheiden, reagieren, verwerfen und sich anschließend daran erinnern, was wir ursprünglich tun wollten.

Und dann wundern wir uns, wenn wir abends erschöpft sind, obwohl wir gefühlt »gar nichts Besonderes« gemacht haben.

Unser Gehirn hat kein Informationsproblem, sondern ein #Sortierproblem

Noch nie hatten wir Zugriff auf so viel Wissen. Das ist großartig. Wir können innerhalb weniger Sekunden eine fremde Sprache hören, eine Route planen, einen medizinischen Begriff nachschlagen oder einem Menschen am anderen Ende der Welt schreiben.

Unser Gehirn liebt Neues. Es ist neugierig, lernfähig und erstaunlich anpassungsfähig. Was es allerdings weniger liebt, ist Neues ohne Ende.

Eine Nachricht hier, eine E Mail dort, zwischendurch ein Video, eine Schlagzeile und drei Benachrichtigungen. Jede einzelne Information ruft unserem Gehirn zu: »Schau mich an, vielleicht bin ich wichtig!«

Also schaut es hin.

Nicht, weil wir undiszipliniert sind. Sondern weil unser Gehirn darauf programmiert ist, Veränderungen in unserer Umgebung wahrzunehmen. Früher konnte ein plötzliches Geräusch tatsächlich entscheidend sein. Heute vibriert lediglich das Smartphone, doch unser Aufmerksamkeitssystem reagiert trotzdem.

Das Problem ist deshalb nicht nur die Menge an Informationen. Das Problem ist, dass unser Gehirn ständig neu entscheiden muss: wichtig oder unwichtig, jetzt oder später, reagieren oder ignorieren?

Digitaler Stress beginnt häufig genau dort, wo wir glauben, nur ganz kurz nachzusehen.

#Multitasking ist ein ziemlich geschickter #Selbstbetrug

Viele Menschen sagen mir: »Ich kann gut mehrere Dinge gleichzeitig machen.«

Dann frage ich gerne: »Wirklich gleichzeitig oder nur sehr schnell hintereinander?«

Unser Gehirn schreibt nicht konzentriert eine E Mail, hört aufmerksam eine Sprachnachricht und verfolgt nebenbei ein Gespräch. Es springt zwischen diesen Aufgaben hin und her. Und bei jedem Sprung muss es sich neu orientieren.

Wo war ich gerade? Was wollte ich schreiben? Was hat die andere Person gesagt?

Das kostet #Energie. Vor allem aber kostet es #Tiefe.

Wir haben am Ende vielleicht vieles berührt, aber wenig wirklich verarbeitet. Genau deshalb bleibt nach einem Tag voller E Mails, Nachrichten und kurzer Videos manchmal dieses merkwürdige Gefühl zurück: Ich war ständig beschäftigt, aber was habe ich eigentlich gemacht?

Unser Gehirn ist dann nicht zu schwach. Es hatte nur keine Chance, lange genug bei einer Sache zu bleiben.

Selbst unsere Pausen sind inzwischen anstrengend

Früher gab es im Alltag kleine Zwischenräume. Wir warteten auf den #Bus, standen in einer Schlange oder saßen im Wartezimmer. Heute ziehen wir beinahe automatisch das #Smartphone aus der Tasche.

Damit nehmen wir unserem Gehirn etwas, das es dringend braucht: Leerlauf.

In solchen vermeintlich unproduktiven Momenten geschieht im Kopf nämlich erstaunlich viel. Erlebtes wird sortiert, Gedanken werden miteinander verbunden und Informationen wandern vom flüchtigen Eindruck in eine stabilere Erinnerung.

Wenn wir jede kleine Lücke sofort mit neuen Inhalten füllen, muss unser Gehirn immer weiter aufnehmen. Es kommt aber kaum noch zum Verarbeiten.

Deshalb ist Scrollen nicht automatisch Erholung. Wir wechseln nur die Art der Reize.

Ich mache daraus gerne ein kleines Experiment: Wenn ich irgendwo warten muss, lasse ich das Smartphone bewusst in der Tasche. Stattdessen schaue ich mich um und versuche, drei Dinge zu entdecken, die mir sonst nicht aufgefallen wären.

Plötzlich sehe ich die ungewöhnlichen Schuhe meines Gegenübers, höre ein Gesprächsfetzen oder bemerke ein interessantes Muster auf dem Boden. Aus einer langweiligen Wartezeit wird eine Übung für Wahrnehmung und Aufmerksamkeit.

Und genau das mag unser Gehirn: nicht ständig mehr, sondern zwischendurch einmal genauer.

Das Smartphone gewinnt oft, bevor wir überhaupt entschieden haben

Wir müssen das Smartphone nicht einmal benutzen, damit es uns ablenkt. Es reicht häufig, dass es sichtbar auf dem Tisch liegt.

Ein Teil unseres Gehirns bleibt in Bereitschaft: Könnte eine Nachricht kommen? Hat das Display gerade geleuchtet? Sollte ich vielleicht doch kurz nachsehen?

Ich nenne das den geistigen Türspalt. Wir versuchen, uns auf eine Aufgabe zu konzentrieren, lassen die Tür für jede mögliche Unterbrechung aber offen. Natürlich zieht es dann im Kopf.

Deshalb muss niemand sein Smartphone verteufeln oder für eine Woche in den Wald ziehen. Oft reicht es, die Tür zeitweise zu schließen.

Ich lege das Telefon außer Sichtweite, wenn ich konzentriert arbeiten möchte. E Mails öffne ich nicht aus Gewohnheit, sondern weil ich mich bewusst dafür entscheide. Und wenn eine Aufgabe nur zehn Minuten dauert, versuche ich, genau diese zehn Minuten ausschließlich bei ihr zu bleiben.

Das klingt unspektakulär. Für ein Gehirn, das an ständige Wechsel gewöhnt ist, kann es jedoch fast schon ungewohnt anstrengend sein.

Und genau darin steckt das Training.

Unser Gehirn braucht nicht nur Ruhe, sondern #Abwechslung

Bei digitalem Stress denken viele sofort an Verzicht: weniger Smartphone, weniger Internet, weniger Bildschirm.

Natürlich sind Pausen wichtig. Aber unser Gehirn möchte nicht einfach stillgelegt werden. Es möchte auf unterschiedliche Weise gefordert sein.

Wer den ganzen Tag am #Bildschirm arbeitet und am Abend durch kurze Videos scrollt, liefert seinem Gehirn zwar ständig neue Inhalte, aber kaum echte Abwechslung. Die Informationen ändern sich, die Art der Beschäftigung bleibt jedoch gleich: schauen, wischen, weiter.

Abwechslung entsteht, wenn wir andere Sinne und Fähigkeiten einbeziehen. Wenn wir uns bewegen, etwas mit den Händen machen, ein echtes Gespräch führen oder einen vertrauten Ablauf bewusst verändern.

Ich gehe zum Beispiel manchmal einen bekannten Weg mit einem kleinen Auftrag: Heute achte ich nur auf rote Dinge. Oder auf Balkone. Oder auf ungewöhnliche Geräusche. Hinterher versuche ich, fünf Beobachtungen aus dem Gedächtnis aufzuzählen.

Der gleiche Weg ist plötzlich nicht mehr derselbe. Mein Gehirn muss auswählen, abspeichern und erinnern. Aus dem Autopiloten wird Aufmerksamkeit.

Aus Konsum wird Gehirntraining

Eine weitere Übung funktioniert mit beinahe allem, was wir digital konsumieren.

Nach einem #Artikel, einem #Video oder einem #Podcast frage ich mich: Was waren die drei wichtigsten Gedanken?

Dann erkläre ich sie mit eigenen Worten. Manchmal einer anderen Person, manchmal einfach mir selbst.

Das klingt banal, macht aber einen großen Unterschied. Denn plötzlich nehme ich Informationen nicht nur auf. Ich muss sie ordnen, zusammenfassen und verständlich wiedergeben. Mein Gehirn wird vom Zuschauer zum Mitspieler.

Auch beim Einkaufen lässt sich der Kopf wunderbar aus dem digitalen Dauerbetrieb holen. Ich merke mir drei oder vier Dinge, bevor ich auf die Liste sehe. Habe ich etwas vergessen, versuche ich zunächst, selbst darauf zu kommen. Und wenn ich mich geirrt habe, korrigiere ich meinen Irrtum bewusst.

Aus einem simplen Einkauf wird plötzlich ein kleines Denklabor.

Mentale Fitness beginnt nicht mit einer neuen #App

Wir können die digitale Welt nicht zurückdrehen. Das müssen wir auch nicht. Sie schenkt uns Möglichkeiten, von denen frühere Generationen nur träumen konnten.

Aber wir dürfen wieder entscheiden, wann wir erreichbar sind, worauf wir reagieren und womit wir unser Gehirn beschäftigen.

Es geht nicht darum, weniger zu denken. Es geht darum, unserem Gehirn wieder die Möglichkeit zu geben, tiefer zu denken. Eine Sache zu Ende zu bringen. Etwas wirklich wahrzunehmen. Eine Information nicht nur zu sehen, sondern sie zu verstehen und zu behalten.

Mentale Fitness entsteht dabei selten durch eine einzelne Übung. Entscheidend ist, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Erinnerungsfähigkeit regelmäßig und abwechslungsreich zu fordern. Genau wie der Körper freut sich auch das Gehirn über ein Training, das zu seinem Alltag passt – und sogar Spaß machen darf. 


Vielleicht beginnen wir ganz klein.

Beim nächsten Blick auf die Uhr schauen wir tatsächlich nur auf die Uhr.

Und wenn uns das gelingt, haben wir bereits mehr für unsere Aufmerksamkeit getan, als wir vielleicht glauben.

Experten Vita Brigitte Kühn

Brigitte Kühn ist #Gesundheitsexpertin und #Gehirntrainerin. Mit ihrer »#Brainkost« Methode zeigt sie Menschen ab 50, wie sie ihr Gehirn stark, klar und lebendig halten können und so auch Demenz vorbeugen können. Sie verbindet #Ernährung, #Bewegung und mentales Training individuell zu alltagstauglichen Strategien für mehr #Konzentration, #Gedächtnis und #Lebensfreude – mit #Humor, #Leichtigkeit und wissenschaftlich fundiertem #Hintergrund. Mehr …

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