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Das Lapidarium auf dem Alten Stadtfriedhof Gütersloh
Das Lapidarium auf dem Alten Stadtfriedhof Gütersloh
- Steinerne Zeugnisse der #Stadtgeschichte: Auf dem Alten Stadtfriedhof Unter den Ulmen erinnern historische Grabmale an frühere #Bürgermeister und an die Entwicklung Güterslohs von einer kleinen Landgemeinde zur modernen Stadt.
#Gütersloh, 24. September 2026
Auf dem Alten Stadtfriedhof Unter den Ulmen befindet sich ein besonderer Erinnerungsort der Gütersloher Stadtgeschichte: das Lapidarium der ehemaligen Bürgermeister. Historische #Grabsteine und #Kreuzmonumente bewahren hier die Erinnerung an Persönlichkeiten, die über Generationen hinweg die Entwicklung der Stadt geprägt haben.
Das Lapidarium wurde im Mai 2015 während der Amtszeit von Bürgermeisterin Maria Unger eingerichtet. Ziel war es, die erhaltenen Grabmale früherer Bürgermeister dauerhaft zu sichern und zugleich einen Ort zu schaffen, an dem sich die Geschichte der Gütersloher #Stadtverwaltung nachvollziehen lässt.
Zu den hier vertretenen Bürgermeistern gehören Hermann Christian Haege, Friedrich Wilhelm Friebe, Louis von Schell, Emil Mangelsdorf und Paul Thöne.
Eine Informationstafel erläutert die geschichtlichen Zusammenhänge. Über einen QR Code können Besucher weiterführende Informationen zur Geschichte der ehemaligen Bürgermeister abrufen.
Das #Lapidarium ist damit nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern auch ein kleines, öffentlich zugängliches Geschichtsmuseum unter freiem Himmel.
Von der Landgemeinde zur Stadt
Die Geschichte der Gütersloher Bürgermeister reicht weit über die Errichtung des Lapidariums hinaus. Sie beginnt in einer Zeit, in der Gütersloh noch keine Stadt im heutigen Sinne war.
Christoph Heinrich Tegeler übernahm am 17. November 1813 das Bürgermeisteramt. Zuvor hatte der von den #Franzosen eingesetzte Bürgermeister Carl Heinrich Lehmann den Ort vor den anrückenden #Kosaken verlassen.
Tegeler stammte aus einer wohlhabenden Gütersloher Kaufmannsfamilie. Ihr #Wohnhaus und #Geschäftshaus an der #Kirchstraße 4 war als »#Borgemesterhus« bekannt.
Während seiner Amtszeit wurden wichtige Verkehrswege ausgebaut. Im Herbst 1817 entstand die #Chaussee von #Koblenz nach #Minden, die heutige Berliner Straße. Weitere Straßen im Ortskern wurden befestigt.
1825 erfolgte schließlich die Erhebung Güterslohs zur Stadt.
Damit war ein entscheidender Schritt in der Entwicklung des Ortes vollzogen, dessen Verwaltung sich in den folgenden Jahrzehnten grundlegend verändern sollte.
Hermann Christian Haege: Bürgermeister in einer Zeit des Umbruchs
Hermann Christian Haege wurde 1795 in #Halle (#Westfalen) geboren und kam bereits 1812 als Verwaltungssekretär nach Gütersloh. 1820 wurde er zum Ersten Beigeordneten gewählt, 1827 übernahm er das Bürgermeisteramt.
Nach Einführung der Westfälischen #Städteordnung wurde er 1842 zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister gewählt.
Haege engagierte sich insbesondere für die Bekämpfung der zunehmenden Armut. 1833 veranlasste er die Gründung des »Vereins zur Rettung verwahrloster Kinder«, dessen Vorsitz er später übernahm. Auch die Verbesserung der Lebensbedingungen der arbeitenden Bevölkerung gehörte zu seinen Anliegen.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Tätigkeit war die Förderung des #Eisenbahnbaus.
1847 erhielt Gütersloh Anschluss an die Köln Mindener Eisenbahn. Zwei Jahre später entstand das erste Bahnhofs Empfangsgebäude.
Die #Eisenbahn wurde zu einer wesentlichen Voraussetzung für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Stadt.
Haege starb 1858 in Gütersloh. Sein Grabmal gehört zu den historischen Monumenten des Lapidariums.
Friedrich Wilhelm Friebe: #Rathaus, #Krankenhaus und #Kirchenbau
Friedrich Wilhelm Friebe trat sein Amt als Bürgermeister am 20. Mai 1854 an.
Während seiner Amtszeit wurden wichtige kommunale Bauvorhaben vorbereitet und umgesetzt. Dazu gehörten der Neubau des Rathauses, das 1864 fertiggestellt wurde, sowie ein Krankenhaus, das 1868 eingeweiht werden konnte.
Die Finanzierung dieser Projekte wurde durch Mittel aus der Stiftung des 1858 verstorbenen Kaufmanns und Stadtverordneten Heinrich Barth ermöglicht.
Auch der Neubau der Martin Luther Kirche, damals als »Neue Kirche« bezeichnet, fiel in Friebes Amtszeit. Er leitete die Baukommission und erreichte als Vorsitzender des Bauausschusses die Stiftung von 5 Chorfenstern durch das preußische Kultusministerium.
Friebe starb 1861 nach schwerer Erkrankung im #Krankenhaus #Bethanien in #Berlin.
Louis von Schell: Gütersloh wächst
Louis von Schell wurde 1818 auf dem #Rittersitz Haus Rechen in #Bochum geboren. Nach einer militärischen Laufbahn war er zunächst Bürgermeister in Unna, bevor er am 12. März 1862 sein Amt in Gütersloh antrat.
Bereits im ersten Jahr seiner Amtszeit wurden das Gaswerk und das evangelische Kranken und Armenhaus der Barthschen Stiftung an der Berliner Straße eingerichtet.
1864 bezog die Stadtverwaltung das neue Rathaus. Vier Jahre später wurde das Stadtgebiet um rund 91 Morgen erweitert.
Von Schell engagierte sich darüber hinaus im Verwaltungsrat der Barthschen Stiftung und im Kuratorium des Evangelischen Gymnasiums.
Aus gesundheitlichen Gründen legte er im März 1874 das Bürgermeisteramt nieder. Er starb 1890 in Gütersloh.
Emil Mangelsdorf: Über 3 Jahrzehnte Stadtentwicklung
Mit Emil Mangelsdorf begann 1874 eine besonders lange Amtszeit. Er stand bis 1908 an der Spitze der Gütersloher Stadtverwaltung.
In diesen 34 Jahren entstanden zahlreiche Einrichtungen, die für die weitere Entwicklung der Stadt von Bedeutung waren.
Dazu gehörten das Wasserwerk, die Erweiterung des Gaswerks, das #Amtsgerichtsgebäude an der #Königstraße und die Teutoburger Wald Eisenbahn.
Auch die Gründung der Gütersloher #Sparbank und #Leihbank, des Lehrerseminars, der Höheren Töchterschule und der Fortbildungsschule fiel in seine Amtszeit.
Mangelsdorf förderte außerdem den Bau von #Arbeiterwohnungen, die Errichtung der Volksbadeanstalt Carl Hahn Stiftung an der Friedrichstraße und die Einrichtung einer #Volksbücherei.
1890 rief er die »Neue Gütersloher Zeitung« ins Leben, aus der später die Neue Westfälische hervorging.
Am 14. März 1924 wurde Emil Mangelsdorf zum Ehrenbürger der Stadt Gütersloh ernannt. Er starb 1925.
Neben seinem Grabstein befindet sich im Lapidarium auch das erhaltene Grabkreuz seiner Tochter Else, die 1933 in #Bielefeld #Bethel verstarb.
Paul Thöne: Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg
Eine andere Epoche der Stadtgeschichte repräsentiert Paul Thöne.
Der 1910 in Gütersloh geborene Sohn eines Teilhabers der Firma Miele übernahm nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen im April 1945 zeitweise das Bürgermeisteramt.
Vom 9. Juni bis zum 28. Dezember 1945 amtierte er erneut als Bürgermeister. Anschließend war er bis zu seinem Tod 1949 Stadtdirektor.
Seine Tätigkeit stand im Zeichen der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Thöne gründete einen Hilfsausschuss für Kriegsgeschädigte und unterstützte mehr als 400 Menschen beim Wiederaufbau ihrer zerstörten Wohnungen und Häuser.
Im Rahmen einer Hilfsaktion wurden #Geschirr, #Haushaltsgeräte, #Kleidung, #Betten und #Möbel kostenlos an vom #Krieg betroffene Bürger abgegeben.
Auch die Unterbringung heimatloser jugendlicher Soldaten und die Organisation von Aufräumarbeiten gehörten zu seinen Aufgaben.
Neben dem Wiederaufbau setzte sich Thöne für das kulturelle Leben ein. Zu seinen Projekten gehörten die Freilichtbühne im Mohns Park und der Bau eines #Theatergebäudes auf dem Gelände der ehemaligen #Brauerei an der #Friedrichstraße.
Das im November 1949 fertiggestellte Gebäude wurde nach ihm benannt. Die Paul Thöne Halle wurde 2007 zugunsten des Neubaus des Gütersloher Theaters abgerissen.
Paul Thöne starb am 2. September 1949.
Nicht alle Bürgermeister sind im Lapidarium vertreten
Das Lapidarium zeigt nur einen Teil der historischen Bürgermeistergräber.
Weitere ehemalige Bürgermeister sind an anderen Orten bestattet, oder ihre Grabstätten befinden sich weiterhin im Familienbesitz.
Zu ihnen gehören unter anderem Christoph Heinrich Tegeler, Arnold Rüter, Fritz Detmer, Ludwig Freiherr von Richthofen, Gustav Tummes und Josef Bauer.
Auch ihre Lebensläufe gehören zur Geschichte der Stadt.
Besonders die Amtszeit Josef Bauers von 1935 bis 1945 erinnert daran, dass die Geschichte der Gütersloher Stadtverwaltung nicht allein aus kommunalen Aufbauleistungen besteht.
Bauer war seit 1931 Mitglied der NSDAP und trug als Bürgermeister Verantwortung für die Stadtverwaltung während der nationalsozialistischen Diktatur.
In seine Amtszeit fielen die antisemitischen Pogrome vom 9. und 10. November 1938, bei denen die Gütersloher Synagoge sowie jüdische Wohnhäuser und Geschäftshäuser niedergebrannt und verwüstet wurden. Jüdische Bürger wurden in das #Konzentrationslager #Buchenwald deportiert.
Am 15. Juni 1940 ließ Bauer eine Liste der noch in Gütersloh lebenden jüdischen Einwohner erstellen, die der Vorbereitung späterer Deportationen diente.
Die britische #Militärregierung enthob ihn am 17. April 1945 aufgrund seiner NS Mitgliedschaft des Amtes.
Auch diese Geschichte gehört zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Stadt und ihrer Verwaltung.
Ein Stück Stadtgeschichte unter freiem Himmel
Historische Grabmale sind mehr als persönliche Erinnerungszeichen. Sie dokumentieren Namen, Lebensdaten, gesellschaftliche Stellung und nicht zuletzt die Bestattungskultur vergangener Epochen.
Das Lapidarium auf dem Alten Stadtfriedhof verbindet diese materielle Überlieferung mit der Geschichte der Stadt Gütersloh.
Die erhaltenen Monumente erinnern an Bürgermeister, deren Amtszeiten von der Stadtwerdung über Industrialisierung und kommunalen Ausbau bis zum Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg reichen.
Sie erzählen damit auch von den Veränderungen des städtischen Lebens: von der Einrichtung moderner Verkehrswege und öffentlicher Versorgungseinrichtungen, von Schulen und Krankenhäusern, von sozialen Herausforderungen und politischen Umbrüchen.
Das Lapidarium macht einen Teil dieser Geschichte unmittelbar im öffentlichen Raum erfahrbar.
Wer den Alten Stadtfriedhof besucht, findet hier nicht nur historische Grabsteine, sondern auch einen Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit mehr als einem Jahrhundert Gütersloher Stadtgeschichte.
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