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KWS History: Briefe an die Leser – Gütersloh 2011
#KWS #History: Briefe an die Leser – Gütersloh 2011
#Gütersloh, Juni 2011
#Stadtgeschichte besteht nicht nur aus Jubiläen, politischen Beschlüssen, Neubauten und großen Ereignissen. Sie steckt ebenso in den kleinen #Aufregern des Alltags, in #Zeitungsmeldungen, politischen #Debatten, #Kuriositäten und #Dingen, über die man sich damals wunderte oder schlicht amüsierte.
Die folgenden »Briefe an die Leser« stammen aus dem Jahr 2011. Es sind kurze, bewusst zugespitzte Kommentare zu Themen, die seinerzeit in Gütersloh und der Region für Gesprächsstoff sorgten: vom Streit um einen #Möbelmarkt über Ratssitzungen und ein geplantes Rathausbistro bis zum Entenrennen auf der Dalke. Daneben finden sich gesellschaftliche und kirchliche Themen sowie Beobachtungen aus dem Gütersloher Alltag.
Die Texte waren keine klassischen #Leserbriefe. Vielmehr wurde das Prinzip umgedreht: Nicht die #Leser schrieben an die #Redaktion, sondern die Redaktion schrieb an Personen, Institutionen, Behörden und gelegentlich gleich an die ganze Öffentlichkeit. Die direkte Anrede gehörte dabei ebenso zum Konzept wie Ironie, Polemik und die Freude daran, Aussagen beim Wort zu nehmen und bisweilen bis ins Absurde weiterzudenken.
Aus heutiger Sicht sind die Texte deshalb auch kleine Zeitkapseln. Manche damalige Aufregung ist längst vergessen, manches Thema wirkt erstaunlich aktuell, anderes würde heute vermutlich anders formuliert. Gerade darin liegt ihr dokumentarischer Reiz: Sie zeigen nicht nur, was 2011 in Gütersloh diskutiert wurde, sondern auch, wie darüber gesprochen, gestritten und gespottet wurde.
Die »Briefe an die Leser« werden hier als zeitgenössische Momentaufnahmen im Original wiedergegeben.
Sie, Bielefelds Oberbürgermeister Clausen,
gehen davon aus, mit einer Klage gegen unseren im Bau befindlichen #Porta #Markt gute Chancen zu haben. Und Sie hoffen, dass unser nachbarschaftliches Verhältnis darunter nicht leidet. Nun – was denken Sie? Ist es einem Verhältnis zuträglich oder abträglich, wenn der eine den anderen verklagt? Und das wegen ein paar tausend vermeintlich nicht erlaubter Quadratmeter eines Möbelmarktes? Wer sagt denn, dass 29.500 Quadratmeter verboten, 23.000 Quadratmeter hingegen erlaubt sind? Wenn das so eindeutig wäre, gäbe es ja gar keinen Anlass für eine #Klage. Dann wäre ja alles klar. Bei 23.000 Quadratmetern ist alles in Ordnung – ab 23.001 Quadratmetern stirbt der umliegende Einzelhandel schlagartig aus?
Hallo, SPD?
Die #SPD beantwortet alle #Bürgerfragen, schreibt das »Westfalen Blatt«. Wirklich alle? Was ist der Sinn des Lebens? Warum ist die Banane krumm? Gibt es Gott?
Maria hilf!
Die St. Maria Gemeinde lockte (sic!) Familien zum biblischen Spielenachmittag. So war es in der Presse zu lesen. Unter dem Motto »Geschichten aus der Bibel mit Tieren« spielten die Jungen und Mädchen Spiele, die sich auf Bibelgeschichten bezogen, und lernten laut Organisatorin Daniela Gök etwas dazu. Klingt nett. Aber was lernten die Kinder denn dazu? Dass man tagelang in einem Fischbauch überleben kann? Dass es eine große, weltweite Überflutung gab, die nur Noah samt Familie und einem winzigen Bruchteil der Arten mit einem durch jeweils lediglich zwei Exemplare dezimierten Genpool überlebte? Dass Gott Tiere und Menschen erschaffen hat? Dass die Schlange verflucht ist? Dass Schweine unrein sind? Was?
Sie, Dr. Anke Knopp,
schrieben einen #Leserbrief und fragten sich und die Leser patzig, ob die Politik lieber im siebten Stock des Rathauses unter sich bleiben wollte. Dann zitierten sie die Geschäftsordnung des Rates, die jedermann das Recht zugesteht, an öffentlichen Sitzungen teilzunehmen. Weiterhin steht aber in der Geschäftsordnung: »Wenn die Räumlichkeiten dies gestatten«. Taten sie bei der betreffenden Ratssitzung im Mai, bei der es um Berufsfeuerwehr, Bädertarife und Atomausstieg ging, ihrer Meinung nach nicht – aus dem Büro der Bürgermeisterin war das Gegenteil zu hören, alle Interessierten seien hineingelassen worden. Jedenfalls gibt es ja nicht umsonst die zitierte Einschränkung. Bei anderen Ratssitzungen, die niemanden interessieren (auch das kommt vor), beschwert sich keiner über eine leere Tribüne. Aber wie dem auch sei – wie stellen Sie sich das vor, Frau Doktor Knopp? Sollen Ratssitzungen, die voraussichtlich auf großes Interesse stoßen, demnächst in der #Stadthalle stattfinden? Im Theater? Auf der #Freilichtbühne im Mohns Park? Und was, wenn dann dort auch nicht alle hineinpassen? Und diese Frage ist ernstgemeint.
Müssen Sie schon nennen, Christoph Köckerling. Anonyme Geheimnisse interessieren nämlich niemanden. Unter der Adresse www.sagsnicht.de kann sich, so die »Neue Westfälische« vor einigen Wochen, jeder anonym offenbaren – ist das nicht ein Widerspruch in sich? Und schauen Sie mal unter der Rubrik Sex nach! Was da für Schmuddelgeschichten stehen, bringt uns doch ein wenig zum Schmunzeln. Wenn das mal nicht alles nur erfunden ist …
Du, #Verwaltung der Stadt #Gütersloh,
denkst darüber nach, im nicht mehr genutzten Eingangsbereich des #Rathauses I ein #Bistro einzurichten. Nachdem die Rathauskantine zwecks Kosteneinsparung vor gut anderthalb Jahren geschlossen worden war, hält man es nun offenbar für eine gute Idee, ein subventioniertes Bistro zu eröffnen, das von den Mitarbeitern auch als #Kantine genutzt werden kann. Darüber dürften sich die umliegenden Gastronomen freuen. Wir jedenfalls freuen uns auf weitere Vorschläge wie eine #Disco im #Rathauskeller, eine Beach Party Oase auf dem #Rathausdach oder eine #Kletterstrecke an der #Fassade.
Ein wenig schmunzeln
mussten wir schon, »Westfalen Blatt«, als wir den Nachbericht zum diesjährigen, traditionellen #Entenrennen auf der #Dalke gelesen haben: »Der siebenjährige Marco Bennett Uhlmann verriet, dass er seine Rennente einige Tage lang in #Omas #Waschbecken trainiert habe. Von anderen Kindern und Familienmitgliedern erfuhr man, dass #Trainingslager in der #Badewanne und im Gartenteich errichtet wurden, um die gekauften Enten auf das große #Wettschwimmen vorzubereiten«. Wie süß. Hauptsache, die Enten haben kein Aa und kein Bubu gemacht. Kicher, kicher …
Verehrter Bund Katholischer Ärzte,
auf Deiner #Website schreibst Du: »Es gibt #religiöse, #psychotherapeutische und #medizinisch #homöopathische #Möglichkeiten der Behandlung bei #Homosexualität und homosexuellen Neigungen. Dem Bund Katholischer Ärzte ist es wichtig festzustellen: Homosexualität ist keine ›Erkrankung‹!« Nachdem wir uns die Augen gerieben haben, bleiben doch ein paar Fragen offen. Wenn das keine Erkrankung ist (warum schreibst Du das übrigens in Anführungszeichen?), weshalb sollte man Homosexuelle dann behandeln? Und was für homöopathische Mittel gibt es denn gegen Homosexualität? Popo C 200? Übrigens: #Mittelalterliche #Moralvorstellungen sind auch behandelbar. Durch den gesunden Menschenverstand in hohen Dosen. Aber sicherlich nicht durch religiöse Behandlungsmöglichkeiten (was immer »religiöse Behandlungsmöglichkeiten« überhaupt sein sollen – das wollen wir uns lieber gar nicht erst vorstellen).
Ihr vom #SG
habt gegen die Kollegen vom #ESG gekickt und – wie (fast) immer – das Spiel gewonnen. Aber ist das ein Grund ausfallend zu werden? Das Spruchband (Ihr wisst schon welches) war total daneben. Bringt man Euch denn heutzutage überhaupt kein Benehmen mehr bei? Karl Hendrik Tittel von der »Neuen Westfälischen« hat völlig Recht, sich darüber zu echauffieren. Da habt Ihr wirklich ins Klo gegriffen, #Kinder. Oder sollte dieser Spruch irgendwie witzig sein? Kanakspraak? Früher haben am Gymnasium noch Zucht und Ordnung geherrscht. Was ist bloß aus dieser #Anstalt geworden?
#Polizei und #Feuerwehr
sind die Helfer in der Not. Aber offenbar nicht für jeden. Ein uns bekannter Gütersloher #Einzelhändler berichtete uns, dass vor seiner Haustür ein Mann auf der Straße lag, die Brille lag neben ihm, ebenso eine Einkaufstüte. Pflichtbewusst wählte der Händler die Notrufnummer 112. Dort bat man ihn, festzustellen, ob der Mann noch lebe. Und teilte ihm dann mit, man würde in so einem Fall nicht ausrücken, und er möge sich an die Polizei wenden. Das Telefonat dauerte etwa 5 Minuten. Sodann wählte der Händler die 110. Die Polizei teilte ihm mit, sie habe den Fall von der Feuerwehr gemeldet bekommen und man würde sich bald auf den Weg machen. Einige Zeit später traf die Polizei dann tatsächlich ein, unternahm aber nichts. Der Händler hatte den Mann inzwischen mit Hilfe von Passanten auf den Bürgersteig geschafft. Interessanterweise brannte nicht weit entfernt eine Wiese – dort waren Rettungsädienst und Polizei ebenfalls anwesend, lehnten es aber auf Nachfrage ab, sich um besagten Mann zu kümmern …
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