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KWS History: Stadtgeschichte Gütersloh – »Weltstadt Gütersloh 2011« – Haus der Kreativen und Unternehmer
#KWS #History: #Stadtgeschichte #Gütersloh – »Weltstadt Gütersloh 2011« – Haus der Kreativen und Unternehmer
- Vor 176 Jahren als kleiner #Buchverlag in #Gütersloh gegründet, ist #Bertelsmann heute ein global agierender Medienkonzern und Serviceskonzern, zu dem die RTL Group, Random House, Gruner + Jahr und #Arvato gehören.
#Gütersloh, Oktober 2011
Europas führender #Unterhaltungskonzern. Die weltgrößte #Publikumsverlagsgruppe. Das größte #Magazinhaus in #Europa. Ein international vernetzter #Outsourcing #Dienstleister. Wer dies alles summiert, erhält einen Eindruck vom Facettenreichtum, den Bertelsmann auszeichnet. Ob im Fernsehen, am Kiosk, Bücherladen oder natürlich zunehmend in der digitalen Welt – der Medien und Serviceskonzern ist mit seinen Produkten, Marken und Dienstleistungen überall dort prominent vertreten, wo es Medien zu machen, Medien zu vertreiben oder Dienste rund um Medien zu leisten gilt. Und das in rund 50 Ländern.
Die Wurzeln des Weltkonzerns jedoch liegen in Gütersloh: Ein Highlight für Besucher der Stadt ist der alte Kirchplatz, an dem sich schmucke Fachwerkhäuser aneinanderreihen, still, beschaulich, pittoresk. Ein Haus jedoch steht nicht mehr, es wurde in der Reichspogromnacht 1938 niedergebrannt: das erste Gebäude des im Jahr 1835 gegründeten Verlags C. Bertelsmann. Carl Bertelsmann (1791 bis 1850), Drucker, Buchbinder und gebürtiger »Gütsler«, hatte bereits seit 1824 eine kleine Steindruckerei betrieben und sich nun entschlossen, seinem Wirken ein festeres Fundament zu geben. Strenger Protestant, stellte er seinen Verlag in den Dienst der Minden Ravensberger Erweckungsbewegung, zu deren Wortführern er zählte. Evangelische #Gesangbücher und #Predigten bildeten den Hauptteil seines Verlagsprogramms. Dazu gehörte beispielsweise das #Weihnachtslied »Ihr Kinderlein, kommet« in der heute bekannten, vom Volksschullehrer und Organisten Friedrich Eickhoff bearbeiteten Version.
Auch dem öffentlichen Leben in Gütersloh widmete sich Carl Bertelsmann: Er wirkte an der Gründung des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums mit, organisierte die kommunale Armenpflege und nahm verschiedene öffentliche Ämter wahr, beispielsweise gehörte er ab 1847 dem Stadtverordnetenkollegium an. Das »tätige Werk am Nächsten« bezog er auch auf seine Mitarbeiter, die er – durchaus üblich in der damaligen Zeit – als erweiterte Familienmitglieder ansah. So wohnten zum Beispiel Lehrlinge im Haus des Verlagsinhabers.
Als Heinrich Bertelsmann (1827 bis 1887) den Verlag 1850 von seinem verstorbenen Vater übernahm, blieb der Geist der Erweckungsbewegung für das Haus bestimmend. Gleichwohl erweiterte Heinrich das Programm um Felder wie #Philologie, #Geschichte und #Jugendliteratur: Unter seiner Führung wuchs der Verlag von 14 Mitarbeitern auf etwa 60 bis 70 an. Mit einem Umzug 1868 in die #Bahnhofstraße (heute #Eickhoffstraße) hielt moderne Technik gleich mit Einzug: Eine der ersten #Dampfmaschinen in Gütersloh wurde in der hauseigenen #Druckerei aufgestellt.
Auf sozialem Gebiet setzte Heinrich ein wichtiges Zeichen nach innen: Zum 1. Januar 1887 führte er eine Invaliden und Altersversorgungskasse ein, die den Mitarbeitern bei Krankheit beziehungsweise im Ruhestand eine soziale Absicherung ermöglichte. Das gesellschaftliche Engagement des Hauses Bertelsmann kann damit auf eine lange Tradition blicken.
Johannes Mohn (1856 bis 1930), der Schwiegersohn Heinrichs, übernahm den Verlag nach dessen Tod 1887. Mit ihm gewann die praktisch theologische Literatur wieder stärkere Bedeutung, und er baute das Haus zu einem führenden missionswissenschaftlichen Verlag auf, der 1910 bereits 80 Mitarbeiter zählte.
Über die Geschicke des Verlags während des Ersten Weltkrieges ist wenig bekannt. Als Verehrer des preußisch deutschen Staates empfand Johannes Mohn jedoch die Niederlage 1918 auch als tiefen persönlichen Einschnitt. Er übergab die Leitung des Verlags 1921 an seinen Sohn Heinrich: »Unter dem Druck der Ereignisse«, wie dieser später schreiben würde, hätten den Vater die Kräfte verlassen.
Heinrich Mohn (1885 bis 1955) modernisierte den Betrieb und öffnete ihn inhaltlich in Richtung Belletristik. Ab 1934 setzte mit der Veröffentlichung von Kriegserlebnisbüchern ein rapider kommerzieller Aufstieg ein, und die Orientierung an den Leseinteressen eines breiten Publikums führte während des Dritten Reiches dazu, dass der Verlag unter anderem mit völkisch nationalistischen, aber auch antisemitischen Texten enorme wirtschaftliche Erfolge erzielte. Bis zur Schließung des Verlags 1944 avancierte er sogar zum größten Buchlieferanten für die Wehrmacht. Die Schließung selbst erfolgte aufgrund von Verwicklungen in illegale #Papierbeschaffungen sowie im Rahmen der #Mobilmachung der deutschen #Wirtschaft.
Auf dem Weg zum Weltkonzern: #Wirtschaftswunder »made by Bertelsmann«
Für Bertelsmann begann 1950 eine neue Epoche, um nicht zu sagen, ein eigenes Wirtschaftswunder. Dabei war noch wenige Monate zuvor die Zukunft ungewiss: Die Einführung der D Mark 1948 hatte eine mittelfristige Buchabsatzkrise bewirkt, sodass Verlag und Druckerei nur schlecht über die Runden kamen. Blickt man noch weiter zurück, grenzt es sogar fast an ein Wunder, dass der Verlag überhaupt noch bestand. 1944 von den nationalsozialistischen Behörden geschlossen und nach einem alliierten Bombenangriff auf Gütersloh im März 1945 in weiten Teilen zerstört, fing das Unternehmen mit rund 150 verbliebenen Mitarbeitern ganz neu an. Reinhard Mohn (1921 bis 2009) war Anfang 1946 aus amerikanischer Gefangenschaft zurückgekehrt und hatte bereits im Jahr darauf die Verlagsleitung von seinem Vater Heinrich übernommen. Neben einer buchhändlerischen Ausbildung übernahm er nun die Verantwortung für den buchstäblich steinigen Wiederaufbau. Durch diese frühen Erfahrungen gestärkt, steckten Reinhard Mohn und sein Führungsteam jedoch in der Krise von 1949 nicht auf. Zu Recht, wie bald deutlich wurde.
Es war wohl der Reisebuchhändler und Versandbuchhändler Johannes Thordsen, der dem damaligen Vertriebschef Fritz Wixforth vorschlug, gemeinsam eine #Buchgemeinschaft zu gründen. Wixforth und Reinhard Mohn spielten solange mit dieser Idee, bis ein neuartiges Modell entstanden war: eine zweistufige Buchgemeinschaft, für die jeder #Buchhändler Mitglieder werben konnte. Diese Idee zündete, und von nun an wuchs Bertelsmann rasant. Es entstanden eigene Unternehmen für die Produktion von #Lexika und #Sachbüchern, für #Musikaufnahmen und #Schallplatten, für #Kundenbetreuung und #Logistik – kurz, es war eine echte Gründerzeit, die für Bertelsmann prägend wirkte: Dezentralität, partnerschaftliche Kooperation und Unternehmergeist wurden von Reinhard Mohn zur Maxime erhoben und bildeten seither die Grundlage einer beispielhaften Unternehmenskultur, die dem Erfolg von Bertelsmann bis heute zugrunde liegt.
Die Expansion wirkte sich bald auch in Gütersloh aus: Die Betriebsstätte in der Eickhoffstraße war zu klein geworden, und so wurden die technischen Betriebe in die Friedrichsdorfer Straße ausgelagert. Das Areal glich daraufhin für mehrere Jahre einer Großbaustelle – Bertelsmann wuchs und wuchs … zählte das Unternehmen 1950 etwa 500 Mitarbeiter, waren es 1960 bereits etwa 6.000! Diese kamen übrigens nur teils aus Gütersloh. Auch von außerhalb wurden etliche Arbeitskräfte angeworben, darunter hochqualifizierte Handwerker und #Akademiker aus der #DDR.
Bald wagte sich Bertelsmann auch ins Ausland, beginnend 1962 mit dem Club »Círculo de Lectores« in #Barcelona. Markante internationale Durchbrüche erfolgten 1986 mit der Übernahme von RCA Records sowie der Verlagsgruppe #Doubleday und 1998 mit dem Kauf von #Random #House, der heute größten Publikumsverlagsgruppe der Welt.
Zugleich blieb Bertelsmann seiner Heimatregion treu. Die Zentrale des 1971 in eine AG umgewandelten Konzerns befand sich bis 1976 in der Eickhoffstraße und steht heute wie die technischen Betriebe an der Carl Bertelsmann Straße. Auch das Gütersloher Verlagshaus und der »Club« in Rheda sind bis heute fest in der Region verankert.
Im Mediensektor setzte Bertelsmann seit den 1960er Jahren auf Diversifikation: Dem Kauf der Ufa 1964 folgte eine Beteiligung an Gruner + Jahr 1969 (Mehrheit ab 1973) sowie 1984 der Einstieg ins Privatfernsehen mit einer Beteiligung an RTLplus (heute hält Bertelsmann über 90 Prozent an der international tätigen RTL Group). Hinzu trat eine immer stärkere Dienstleistungsorientierung. Die technischen Betriebe, die 1999 in der Arvato AG aufgingen, entwickelten sich zum »Full Service« Unternehmen mit Komplettangeboten von der Konzeption von Druckerzeugnissen über Layout, Druck, Auslieferung bis hin zur Kundenbindung und Abrechnung.
Heute sind insgesamt rund 100.000 Mitarbeiter in 50 Ländern kreativ und unternehmerisch erfolgreich für den Konzern tätig, doch ist und bleibt Bertelsmann stolz auf seine regionale Verankerung. Stellvertretend für die 5. Generation der Gründerfamilie steht Liz Mohn für die Kontinuität und Weiterentwicklung der Unternehmenskultur eines Unternehmens, das am Ort seiner Anfänge heute mehr als 10.000 Menschen beschäftigt und zahlreiche soziale und kulturelle Projekte durchführt, unterstützt oder finanziert.
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