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Weißbuch der Provinzkommunikation: Neues aus Brobdingnag – die Inflation der Kultur

Weißbuch der Provinzkommunikation: Neues aus #Brobdingnag – die #Inflation der #Kultur

#Gütersloh, 20. Mai 2026

In Brobdingnag ist immer etwas los.

Jeden Freitag spielt auf irgendeinem Platz irgendeine Band irgendeine #Musik für irgendwelche Leute, die mit irgendwelchen Getränken in der Hand irgendwo herumstehen. Das gilt als kulturelle Belebung. Die #Stadtverwaltung ist begeistert.

Denn #Kultur, so scheint man dort zu glauben, entsteht automatisch durch regelmäßige Geräuschproduktion. Hauptsache, es findet etwas statt. Möglichst häufig. Am besten dauerhaft. Vielleicht künftig auch montags. Oder täglich. Warum eigentlich nicht rund um die Uhr?

»Kultur für alle« bedeutet in Brobdingnag offenbar vor allem: permanente #Bespielung des Öffentlichen Raums mit semantisch weitgehend folgenlosen Ereignissen mittlerer Durchschnittlichkeit.

Die moderne Stadt hat panische Angst vor Leere entwickelt.

Ein leerer Platz gilt bereits als kommunikatives #Versagen. Wo keine #Bühne steht, könnte womöglich jemand anfangen nachzudenken. Also wird beschallt, organisiert, moderiert, beworben und betreut, bis auch der letzte Quadratmeter Innenstadt in einen Zustand atmosphärischer Dauerverfügbarkeit überführt wurde.

Das Ergebnis erinnert an #Weihnachtsmusik im #Kaufhaus Ende Januar.

Man hört sie noch. Aber eigentlich hört man sie nicht mehr.

Das Problem ist dabei nicht einmal die Qualität der einzelnen Veranstaltungen. Das eigentliche Problem ist ihre Inflation. Denn wie beim #Geld verliert auch Kultur ihren Wert, wenn man zu viel davon gleichzeitig in Umlauf bringt.

Früher war ein Konzert ein Ereignis. Heute ist es ein Serientermin.

Früher hatte Kultur Kontur. Heute hat sie Öffnungszeiten.

Aber dennoch ist auch bei Geld die Größe der Zahl auf der #Münze ein wichtiger Faktor.

Selbst ein hervorragendes #Wagyu #Steak würde irgendwann zur Kantinenware werden, wenn man es täglich servierte. Und niemand möchte jeden Tag Weihnachten feiern. Nicht einmal der #Weihnachtsmann. Wahrscheinlich sitzt der am 27. Dezember schweigend in #Jogginghose vor einer weißen Wand und möchte nie wieder eine Glocke hören.

In Brobdingnag dagegen glaubt man unbeirrt an die metaphysische Heilkraft der Frequenz. Wenn jeden Freitag etwas stattfindet, dann muss das doch gut sein. Quantität wird dort mit Bedeutung verwechselt.

Dabei lebt Bedeutung gerade vom Kontrast.

Von der Ausnahme.

Von der Verdichtung.

Von der Seltenheit.

Von der Möglichkeit, dass etwas eben nicht ständig verfügbar ist.

Eine einzige wirklich große Aufführung kann mehr kulturelle Erinnerung erzeugen als zwanzig routinierte Dauerformate mit #Bierstand und #Coverband.

Aber das wäre riskant. Es könnte ja einmal nichts stattfinden.

Und nichts macht modernen Stadtmarketern mehr Angst als das Nichts.

Also produziert Brobdingnag weiter Kultur wie ein Industriebetrieb Kartoffelstärke produziert: zuverlässig, normiert und in großen Mengen.

Vielleicht liegt darin das eigentliche Missverständnis unserer Zeit:

Man glaubt, Kultur sei das Gegenteil von Leere.

Dabei entsteht Bedeutung oft erst dort, wo zwischen zwei Ereignissen wieder genügend Stille eingekehrt ist, damit etwas überhaupt noch hervorstechen kann.

Oder, um es mit einem berühmten surrealistischen Gemälde zu sagen: Das ist kein #Muschelgelage.

#NOW #KWS #ROSA #OWL #GT #GGC #GOGREENCHALLENGE #VISITGÜTERSLOH #VISITGT #NIEWIEDERISTJETZT

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