Galerie am Dom Wetzlar: »Klaus Fußmann und seine Schüler« – Christopher Lehmpfuhl und Till Warwas, 30. Mai bis 27. Juni 2026Zoom Button

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Galerie am Dom Wetzlar: »Klaus Fußmann und seine Schüler« – Christopher Lehmpfuhl und Till Warwas, 30. Mai bis 27. Juni 2026

Galerie am Dom Wetzlar: »Klaus Fußmann und seine Schüler« – Christopher Lehmpfuhl und Till Warwas, 30. Mai bis 27. Juni 2026

#Wetzlar, 8. Mai 2026

Die #Ausstellung zeigt einen pointierten Dialog zwischen Fußmanns Werk und dem seiner Schüler – mit besonderem Fokus auf Kontrasten und Korrespondenzen in der künstlerischen Haltung und Handschrift. Die pastose Malweise von Christopher Lehmpfuhl wird als spannende Parallele zu Fußmanns Ölgemälden gezeigt – aber auch die ruhige, altmeisterliche Präzision der Stillleben von Till Warwas im Kontrast zur expressiven #Farbsprache und #Formensprache von Fußmanns Landschaften und Blumenstillleben.

3 Wege zur Wirklichkeit – Klaus Fußmann als #Lehrer und #Maler

Klaus Fußmann, 1938 in #Velbert geboren, zählt zu den bedeutendsten Positionen zeitgenössischer #Kunst. Als langjähriger Professor an der Hochschule der Künste in #Berlin hat er nicht nur ein eigenständiges, unverwechselbares #Œuvre geschaffen, sondern zugleich Generationen von Künstlern nachhaltig geprägt. Das Museum am Ostwall #Dortmund würdigte ihn gar als einen der bedeutendsten Vertreter figurativer Malerei in Deutschland.

Die #Galerie am #Dom verbindet mit Klaus Fußmann eine über viele Jahre gewachsene Zusammenarbeit. Zahlreiche Ausstellungen und Projekte – auch im musealen Kontext – zeugen von dieser engen Beziehung. Die vorliegende Ausstellung nimmt dies zum Anlass, den Blick zu erweitern: Sie zeigt Fußmann nicht allein als Maler, sondern auch als Lehrer – und stellt ihm mit Christopher Lehmpfuhl und Till Warwas 2 seiner Schüler zur Seite, deren künstlerische Positionen unterschiedlicher kaum sein könnten.

Was macht die Malerei Klaus Fußmanns bis heute so wirkmächtig? Es ist die besondere Balance zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, die seine Arbeiten auszeichnet. Form und Farbe treten in ein spannungsreiches Verhältnis, in dem sich Landschaften und florale Motive gleichsam aus der Malerei heraus entwickeln. Fußmann reduziert, verdichtet und entscheidet mit großer Präzision, was im Bild Bestand hat, was nicht fällt heraus. Seine Malerei ist unmittelbar, gestisch und zugleich getragen von einem tiefen Wissen um ihre eigenen Mittel.

Seit den 1960er Jahren hat Fußmann ein vielschichtiges Werk entfaltet: von frühen figurativen Arbeiten bis hin zu den sogenannten Werkstattbildern, deren stille, beinahe meditative Raumauffassungen ihm breite Anerkennung einbrachten. Eine entscheidende Wendung markiert die Hinwendung zur norddeutschen Landschaft. In #Gelting an der #Ostsee findet er nicht nur einen seiner beiden Lebensmittelpunkte, sondern auch ein Licht, das fortan sein Werk prägt. Die Klarheit der Küstenlandschaft, die Weite des Himmels und die Intensität der Farben werden zu zentralen Bildthemen.

Besonders in seinen #Blumenstillleben erreicht Fußmann eine unverwechselbare Bildsprache. Die Motive entstammen seinem eigenen Garten und folgen dem Rhythmus der Jahreszeiten. Was als Naturbeobachtung beginnt, steigert sich im Bild zu einer vibrierenden Farbintensität, die weit über das rein Gegenständliche hinausweist. Ob in #Gouache, #Pastell oder #Öl – stets bleibt die Malerei als solche sichtbar und bestimmend.

Dennoch erschöpft sich diese Ausstellung nicht in der Würdigung eines großen Malers. Im Dialog mit Christopher Lehmpfuhl und Till Warwas wird sichtbar, wie unterschiedlich sich aus einer gemeinsamen künstlerischen Herkunft eigenständige Positionen entwickeln können.

Während Lehmpfuhl die Farbe in pastosen Schichten unmittelbar in den Raum trägt und Landschaft als physische Erfahrung begreift, verfolgt Warwas eine nahezu gegenteilige Strategie. Seine Malerei ist von konzentrierter Beobachtung geprägt, von einer präzisen Durchdringung des Motivs. Licht, Reflexion und Oberfläche werden zu Trägern einer Wirklichkeit, die sich im Detail entfaltet und zugleich ihr Geheimnis bewahrt. Diese drei Maler unmittelbar und im Kontext zu erleben stellt ein großes, künstlerisches Highlight dar.

So eröffnet die Ausstellung 3 Perspektiven auf #Malerei: als #Geste, als #Wahrnehmung und als #Erkenntnis. In der Gegenüberstellung wird deutlich, dass es nicht die eine Antwort auf die Frage gibt, was Malerei ist – wohl aber eine gemeinsame Grundlage: das unbedingte Vertrauen in ihre Möglichkeiten.

Zu den Arbeiten von Christopher Lehmpfuhl

»Das Licht ändert sich ständig, und das verändert die Atmosphäre und Schönheit der Dinge jede Minute«, Claude Monet.

Es wirkt beinahe wie eine glückhafte Fügung, dass der 1972 in Berlin geborene Christopher Lehmpfuhl 1992 an der Hochschule der Künste Berlin auf seinen Lehrer Klaus Fußmann trifft. Dieser ist nicht allein der Malerei verfallen, sondern hat ihre ganze Intensität und Tiefe verinnerlicht – eine Haltung, die er mit großer Leidenschaft an Lehmpfuhl weitergibt.

Fußmann, selbst ein bedeutender Vertreter figürlicher Malerei, inspiriert seinen Schüler anfänglich zu einer vom Lehrer entlehnten Farbwuchtmalerei, die der junge Künstler später in eine für ihn ganz subjektive Bildsprache umformuliert, intensiviert und zu einem unverkennbar eigenen Stil verdichtet. Der Plein Air Maler vollkommnet diese Haltung zunehmend in einer sinnlichen Geste, indem er die Intensität seines Farbauftrags – den sogenannten Impasto – zur eigentlichen, perfektionierten Ausdrucksform steigert.

Vor Ort, unmittelbar in der Natur, greift Lehmpfuhl in Farbeimer mit sieben Grundfarben. Die Zwischentöne entstehen aus der physischen, direkten Arbeit, die der Künstler mit behandschuhten Händen vollzieht. Dabei wachsen Farbgräben zu aufwallend pulsierenden Ölbergen und verdichten sich zu reliefartigen Strukturen. Wer die Bilder aus der Nähe betrachtet, begegnet abstrakten Farbstrudeln, wird Zeuge von Farbschlieren, die sich verbinden, um sich gleich darauf wie Wolkenformationen aufzulösen.

Erst mit zunehmendem Abstand des Betrachters gewinnen diese Farbberge an Kontur, Form und Gegenständlichkeit. Der Nahblick eröffnet Abstraktion; im Kopf des Sehenden – und mit gebührendem Abstand – wandelt sich diese zu einer Gegenständlichkeit, die Architekturzitate ebenso wie Naturphänomene evoziert und erfahrbar macht. Diese optische Mischung definiert gleichermaßen Nah und Fern.

Dabei erscheint der Maler selbst fast als Medium: als Mittler zwischen Natur und Leinwand – eine Idee, die nicht zuletzt an Erfahrungen aus dem Zen erinnert. Das von ihm »Erlebte« wird in der Malerei zu einem »Verstehen der Welt«, artikuliert und versinnbildlicht in Farbe. Ein wesentliches Moment dieser Erfahrung ist der dreidimensionale Farbauftrag, das Impasto, das den Werken nicht nur haptische Qualität, sondern auch eine ausgeprägte Tiefenräumlichkeit verleiht.

Die 3. Dimension eröffnet dem Betrachter eine neue Form der Wahrnehmung und des Sehens im Spannungsfeld von #Natur, #Kunst und #Erfahrbarkeit. Lehmpfuhl selbst nennt als bedeutende Bezugspunkte der Kunstgeschichte Künstler wie #Nolde, #Monet und #Soutine, was – betrachtet man sein Oeuvre – durchaus nachvollziehbar erscheint. Darüber hinaus drängt sich in der Bildwirkung auch eine Assoziation zum japanischen Maler Katsu Shiraga (1924 bis 2008) auf, der – an einem Seil hängend – mit den Füßen Farbe pastos auftrug und verteilte. Sein Ansatz entstammt dem Action Painting, respektive dem Informel.

Dort stehen Emotionalität, Gestik und erfahrene Spontaneität im Vordergrund; gegenständliche Absichten treten zurück. Bei Lehmpfuhl hingegen – kontemplativ und dennoch mit Kalkül im Malprozess – bleibt das Ergebnis bei aller gestischen Vehemenz und räumlichen Intensität stets an eine abbildhafte Erfahrung und ein absichtsgesteuertes Handeln gebunden. Der Künstler erlebt die Natur über Stunden hinweg, oftmals unter extremen Wetterbedingungen. Und während Monet diese vom selben Standort in unterschiedlichen Fassungen bannt, implementiert Lehmpfuhl dieser Dauer, verdichtet sie zu einem einzigen, gebannten Bildmoment.

Das alla prima entstandene Ölbild ist von großer Dynamik und macht zugleich Natur unmittelbar erfahrbar – zwei intensive Sinnerfahrungen, die sich im Werk untrennbar verbinden. So entstehen Bildwelten, die in ihrer individuellen Eigenständigkeit und unmittelbaren Erlebbarkeit nachhaltig faszinieren.

Zu den Arbeiten von Till Warwas

Malerei zur Erscheinung der Dinge. Die Frage, was Malerei ist und was sie zu bewirken vermag, beschäftigt den Künstler Till Warwas (geboren 1962 in #Bremen) seit jeher. Intensiv widmete er sich dieser während seines Studiums der Freien Malerei an der Hochschule der Künste in Berlin bei Klaus Fußmann, das er von 1984 bis 1990 absolvierte.

In dieser Zeit entstehen zunächst sehr freie, malerische, teils gestische Arbeiten, die jedoch stets der Gegenständlichkeit verpflichtet bleiben. Motivisch dominieren Akte und Interieurs. Später konzentriert sich der Künstler verstärkt auf Landschaftsmalerei und Stillleben. Auch hier arbeitet er – wie sein Lehrer Fußmann – häufig unter freiem Himmel im Sinne der Pleinair Malerei und hält Wiesen, Meere und Wälder unmittelbar vor Ort fest.

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der norddeutschen Landschaft – nicht zuletzt, da Warwas in Bremen lebt und der Künstlergruppe der Norddeutschen Realisten angehört. Er ist stets Suchender und Beobachter zugleich, insbesondere dort, wo schwere Wolkenformationen den Himmel prägen. Im Zentrum seines Interesses steht die Beziehung zwischen Bild und Abbild: das Bestreben, das Gesehene in seiner spezifischen Stimmung und Haltung in einen Moment zeitloser Präsenz zu überführen.

Losgelöst sowohl vom Vorbild seines Vaters, der ebenfalls Maler war, als auch von künstlerischen Bezugspunkten wie Pablo Picasso oder Vincent van Gogh, untersucht Warwas die Wechselwirkung zwischen Objekt und Wirklichkeit. Licht, Reflexionen, charakteristische Oberflächen und Spiegelungen werden zu zentralen Themen, die bei der Bewegung des Blicks über die Bildfläche Neugier erzeugen.

Oft hat man den Eindruck, er nähere sich seinen Motiven mit einer beinahe wissenschaftlichen Haltung: Seine Bilder sind ästhetisch durchdacht, klug und analytisch – unabhängig davon, ob sie #Gärten, #Blumen, #Landschaften oder #Meere zeigen. Menschen treten vergleichsweise selten in Erscheinung.

Was allen Werken gemein ist, ist der geschärfte Blick, der den Betrachter unweigerlich fragen lässt, worin die größte Herausforderung des jeweiligen Motivs gelegen haben mag. Dabei scheut Warwas keine Komplexität: Immer wieder steigert er die Anforderungen der Darstellung – etwa durch sorgfältig arrangierte Tischdecken mit fein differenzierten Faltenwürfen, durch zerknüllte Papiertüten mit vielschichtigen Licht Schatten Strukturen oder durch Blumen und Früchte, die sich in glatten Oberflächen spiegeln.

All dies erzählt weniger vom Gegenstand selbst als von seiner Erscheinung im Licht und seiner Reaktion auf die Welt. Es ist anzunehmen, dass sich Warwas intensiv mit den Stillleben der Alten Niederländer sowie mit Paul Cézanne oder Giorgio Morandi auseinandergesetzt hat. Insbesondere die spiegelnden Reflexionen von Gefäßen können Erinnerungen an Pieter Claesz hervorrufen. Gleichwohl bleibt seine Malweise eigenständig und unverwechselbar.

Gerade weil sich Warwas so nah an der sichtbaren Realität bewegt und ihr malerisch erstaunlich nahekommt, stellt sich unweigerlich die Frage, weshalb er nicht zur Fotografie greift. Doch beim Betrachten der subtilen Farbübergänge, der stofflichen Qualität des Farbauftrags und der fein austarierten Kompositionen erweist sich diese Frage rasch als obsolet.

In der Gegenüberstellung mit seinem Lehrer Klaus Fußmann wird deutlich, wie unterschiedlich sich malerische Positionen entwickeln können. Zwar zeigen sich Parallelen in der Motivwahl – Landschaften, Blumen und Stillleben –, doch während Fußmann den Weg in Richtung Abstraktion einschlägt, verfolgt Warwas eine entgegengesetzte Strategie: die präzise Beobachtung und Verdichtung des Details.

Er ist bestrebt, den Zauber des Objekts einzufangen, ohne ihn vollständig preiszugeben. So bewahren die Dinge in seinen Bildern stets ein Moment des Geheimnisses – fast, als dienten sie lediglich als Anlass für das Gemälde selbst. Die Beziehung zwischen Maler und Motiv bleibt dabei bewusst ambivalent.

In der Virtuosität der malerischen Umsetzung und der Präzision der Übersetzung von Wirklichkeit in Bild entfalten die Werke des Bremer Malers eine außerordentliche Spannung – und erfüllen auf eindrückliche Weise die ästhetische Erwartung des Betrachters.

Galerie am Dom in Wetzlar

Jacqueline Wood und Michael Marius Marks sind seit 1989 selbstständig im Kunsthandel tätig. Ausgehend vom Studium der Kunstgeschichte ist die Liebe zur Kunst zur Leidenschaft im Beruf geworden.

Die Galerie am Dom in Wetzlar ist von Frankfurt/Main bis nach Köln das Haus für zeitgenössische Kunst und exklusive Rahmungen. Zum weiteren Service der Galerie gehören selbstverständlich auch #Restaurierungen (#Gemälde, #Papierarbeiten, #Rahmen), Objektausstattungen und der Internetshop.

Neben Ausstellungen in den eigenen Räumen organisiert die Galerie am Dom auch große Schauen in Zusammenarbeit mit verschiedenen städtischen Kulturämtern wie zum Beispiel Wetzlar, Bad Soden oder Bad Homburg.

30. Mai bis 27. Juni 2026, Vernissage Freitag, 29. Mai 2026, 19 Uhr, Galerie am Dom, Krämerstraße 1, 35578 Wetzlar, einführende Worte von Frank Schablewski (Schriftsteller), freuen Sie sich auf Cocktails von Hansam vor der Ladentür, in der Ausstellung liegt ein Katalog bereit, den wir Ihnen auch gerne kostenlos zusenden. …

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