QHST – Solitäres Kapitel: der Mensch als pogarchisch organisierter MusterprozessorZoom Button

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QHST – Solitäres Kapitel: der Mensch als pogarchisch organisierter Musterprozessor

QHST – Solitäres Kapitel: der Mensch als pogarchisch organisierter Musterprozessor

  • Eine kybernetische Perspektive auf autonome Schattenprozesse (»Daemons«)

#Gütersloh, 28. April 2026

Klassische psychologische Begriffe wie Schatten, Schema oder Abwehrmechanismus beschreiben Phänomene, bleiben jedoch häufig strukturell unscharf. Sie benennen, dass etwas existiert, ohne präzise zu erklären, wie es operiert. Dieses Kapitel schlägt daher eine alternative Perspektive vor, in der psychische Prozesse nicht als diffuse Inhalte, sondern als dynamische Systemarchitektur verstanden werden. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass das menschliche Denken als ein #Musterprozessor begriffen werden kann, in dem bestimmte Muster nicht nur gespeichert oder repräsentiert sind, sondern als autonome, ereignisgesteuerte Prozesse wirksam werden.

Diese Prozesse lassen sich modellhaft als »#Daemons« beschreiben. Dabei handelt es sich nicht um reale #Entitäten, sondern um eine funktionale Beschreibung von Prozessen, die im Hintergrund operieren, durch bestimmte Ereignisse aktiviert werden und anschließend standardisierte Reaktionssequenzen ausführen. Charakteristisch ist, dass diese Prozesse unabhängig vom bewussten Willen persistieren, auf spezifische Trigger reagieren, mit hoher Automatik ablaufen, andere Prozesse übersteuern können und sich durch Rückkopplung selbst stabilisieren. Auf diese Weise wird aus einem statischen Denkmuster ein dynamischer, operativer Prozess.

Die Aktivierung solcher Prozesse erfolgt über eine interne Triggerlogik, die als Event Listener beschrieben werden kann. Dabei handelt es sich nicht um objektive Reize, sondern um systeminterne Bewertungen von Ereignissen. Ein äußerlich geringfügiger Anlass kann intern als hochrelevant oder bedrohlich interpretiert werden, wodurch der entsprechende Prozess ausgelöst wird. Dies erklärt die häufig beobachtete Diskrepanz zwischen äußerem Anlass und innerer Reaktion.

Die Gesamtheit dieser Prozesse ist nicht isoliert organisiert, sondern bildet eine verschachtelte und dynamische Struktur, die sich als »holarchisch« und zugleich »pogarchisch« beschreiben lässt. »Holarchisch« bedeutet, dass einzelne Prozesse Teil größerer Zusammenhänge sind und gleichzeitig selbst wieder Substrukturen enthalten können. Pogarchisch beschreibt die Tatsache, dass Dominanzverhältnisse nicht statisch festgelegt sind, sondern sich sprunghaft und nichtlinear verändern können. Prozesse können plötzlich in den Vordergrund treten, andere verdrängen und das Verhalten temporär dominieren – und dass »Holons« Teil anderer »Holons« sein können, während diese anderen »Holons« zugleich Teil des ursprünglichen »Holons« sein können.

Mehrere solcher Prozesse können gleichzeitig aktiv sein und sich überlagern. Verhalten entsteht daher nicht aus einer einzelnen Ursache, sondern aus der jeweils aktuellen Konfiguration von dominanten und untergeordneten Prozessen. Diese Konfiguration ist stark kontextabhängig, da unterschiedliche Situationen unterschiedliche Trigger aktivieren. Daraus ergibt sich, dass ein und dieselbe Person in verschiedenen Kontexten sehr unterschiedliches Verhalten zeigen kann, ohne dass dies einen inneren Widerspruch darstellen muss. Stabil ist nicht das beobachtbare Verhalten, sondern die zugrunde liegende #Prozessarchitektur.

Unter bestimmten Bedingungen kann ein Prozess in einen hochaktivierten Zustand übergehen, der als »heißer Pogo« bezeichnet werden kann. In solchen Phasen kommt es zu einer raschen Steigerung der Aktivierung, zur Unterdrückung konkurrierender Prozesse und zu einer beschleunigten Rückkopplung, die das System weiter in Richtung Eskalation treibt. Der Verlauf solcher Zustände folgt typischerweise einer Dynamik aus latenter Sensibilisierung, Auslösung durch ein Ereignis, rascher Aktivierung, Dominanz, Eskalation, anschließender Entladung und schließlich Abkühlung. Während der Phase der #Dominanz ist der Zugriff auf reflektive Prozesse stark eingeschränkt, wodurch das Verhalten für Außenstehende oft unverhältnismäßig oder mechanisch wirkt.

Ein zentraler Mechanismus dieser Dynamik ist die #Selbstresonanz (der »#Pogo«). Dabei erzeugt das Verhalten seine eigene Legitimation, indem es über Rückkopplung die Ausgangsannahmen bestätigt. Eine Handlung führt zu einem subjektiven Gefühl von Kontrolle oder Macht, dieses Gefühl stabilisiert die zugrunde liegende Interpretation, und diese Interpretation wiederum rechtfertigt weitere Handlungen derselben Art. Das System wird dadurch selbstreferenziell und nach außen hin weitgehend geschlossen. Externe Informationen werden nicht neutral verarbeitet, sondern innerhalb der bestehenden #Logik umgedeutet.

Alle beschriebenen Prozesse bewegen sich nicht in binären Zuständen, sondern entlang kontinuierlicher #Dimensionen. #Aktivierung, #Dominanz, #Bewusstheit und #Kontrolle sind graduelle Größen, die sich dynamisch verschieben. Verhalten ergibt sich aus der aktuellen Position des Systems in einem mehrdimensionalen Zustandsraum. Übergänge können dabei nichtlinear verlaufen, sodass kleine Auslöser große Veränderungen nach sich ziehen können.

Der Zugriff auf diese Prozesse ist grundsätzlich möglich, jedoch stark eingeschränkt und von der aktuellen Systemkonfiguration abhängig. Insbesondere verhindern dominante Prozesse häufig genau jene Formen von #Selbstreflexion, die notwendig wären, um sie zu erkennen und zu verändern. Dadurch entsteht eine strukturelle Blindheit gegenüber den eigenen Handlungsroutinen. Der Zugriff auf die eigenen »Admin Rechte« ist somit nicht vollständig ausgeschlossen, aber situativ blockiert oder überlagert.

Ein möglicher Zugangspunkt ergibt sich durch Leidensdruck, der als Störimpuls im System verstanden werden kann. Wiederholtes Scheitern, Verlust von Stabilität oder der Zusammenbruch externer Bestätigung können dazu führen, dass die bisherigen Reframing Mechanismen nicht mehr greifen. Erst wenn das System seine eigene Stabilität nicht mehr aufrechterhalten kann, entsteht ein Fenster, in dem der zugrunde liegende Prozess als solcher wahrnehmbar wird. Ohne einen solchen Schwellenwert bleibt der Prozess unsichtbar und damit unveränderbar.

Das Modell verzichtet bewusst auf #moralische #Zuschreibungen oder #intentionale #Vereinfachungen. Verhalten wird nicht primär als Ausdruck von Charakter oder Absicht verstanden, sondern als Output eines dynamischen, selbstreferenziellen Systems. Die Frage nach Verantwortung wird dadurch nicht negiert, sondern analytisch von der Beschreibung des Mechanismus getrennt.

Der Mensch lässt sich in diesem Modell als ein pogarchisch organisierter Musterprozessor beschreiben, in dem autonome, ereignisgesteuerte Prozesse Verhalten generieren, sich durch Rückkopplung stabilisieren und kontextabhängig in wechselnden Dominanzverhältnissen auftreten. Damit wird verständlich, warum Verhalten häufig repetitiv ist, warum Argumente ins Leere laufen, warum Eskalationen scheinbar plötzlich auftreten und warum Menschen in unterschiedlichen Situationen stark divergieren können. Diese #Phänomene erscheinen nicht länger als #Widersprüche, sondern als systemische Eigenschaften eines dynamischen, nichtlinearen Prozessgefüges.

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