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Cargo Kulte nach dem Zweiten Weltkrieg
Cargo Kulte nach dem Zweiten Weltkrieg
#Gütersloh, 9. April 2026
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden in mehreren Regionen des Pazifiks sogenannte »Cargo Kulte« – religiös geprägte Bewegungen, die eng mit den Erfahrungen indigener Gesellschaften während des Krieges verbunden waren. Besonders in #Melanesien, etwa in Papua Neuguinea und auf den #Salomonen, entwickelten sich diese Phänomene als Reaktion auf den plötzlichen Kontakt mit hochindustrialisierten #Militärmächten wie den #USA und #Japan.
Hintergrund und Entstehung
Während des Krieges errichteten die #Alliierten zahlreiche Militärbasen auf abgelegenen Inseln. Mit ihnen kamen große Mengen an »#Cargo« – also Güter wie #Lebensmittel, #Kleidung, #Werkzeuge, #Fahrzeuge und #technische #Geräte. Für die lokale Bevölkerung, die zuvor keinen Zugang zu solchen Produkten hatte, wirkten diese Lieferungen oft mysteriös und übernatürlich.
Nach #Kriegsende verschwanden die #Soldaten ebenso plötzlich, wie sie gekommen waren – und mit ihnen die Güterströme. In diesem Kontext entwickelten sich religiöse Vorstellungen, wonach diese Güter ursprünglich für die einheimische Bevölkerung bestimmt gewesen seien, jedoch von den Fremden abgefangen wurden.
Zentrale Glaubensinhalte
Cargo Kulte verbanden traditionelle spirituelle Vorstellungen mit neuen Interpretationen der beobachteten Ereignisse. Häufige Elemente waren Ahnenverehrung – der Glaube, dass Vorfahren oder spirituelle Wesen den Cargo schicken würden, rituelle Nachahmung – #Bau von symbolischen #Landebahnen, #Kontrolltürmen oder #Funkgeräten aus #Holz und #Bambus, um die Rückkehr der Güter zu fördern, messianische Erwartungen – Hoffnung auf die Rückkehr einer Figur (oft ein mythischer oder historischer Anführer), die Wohlstand bringen würde. Diese Praktiken waren keine naive »Fehlinterpretation«, sondern ein Versuch, die dramatischen Veränderungen mit vorhandenen kulturellen Deutungsmustern zu verstehen.
Beispiel: der John Frum Kult
Ein bekanntes Beispiel ist der sogenannte John Frum Bewegung auf der #Insel #Tanna in #Vanuatu. Anhänger glauben an eine Figur namens John Frum, die mit amerikanischen Soldaten in Verbindung gebracht wird und eines Tages mit Reichtum zurückkehren soll. Bis heute werden dort rituelle Paraden und symbolische Militärübungen abgehalten.
Anthropologische Bedeutung
Cargo Kulte wurden lange Zeit von westlichen Beobachtern missverstanden oder belächelt. Moderne Anthropologie interpretiert sie jedoch differenzierter: Sie sind Ausdruck kultureller Anpassung und Widerstand gegen koloniale Einflüsse. Sie zeigen, wie Gesellschaften mit radikalen technologischen und sozialen Umbrüchen umgehen. Sie verdeutlichen, wie wirtschaftliche Ungleichheit religiös verarbeitet werden kann.
Cargo Kulte nach dem Zweiten Weltkrieg sind ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie menschliche Gemeinschaften versuchen, unerklärliche Veränderungen in ihr #Weltbild zu integrieren. Sie sind weniger ein Zeichen von #Irrationalität als vielmehr ein kreativer, kulturell eingebetteter Umgang mit #Globalisierung, #Machtungleichgewichten und technologischem #Fortschritt.









