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Historische Höhlenzeichnung aus Sundern. Bild: NOW KI, Informationen zu Creative Commons (CC) Lizenzen, für Pressemeldungen ist der Herausgeber verantwortlich, die Quelle ist der Herausgeber

Auch in Ostwestfalen wurde früher gejodelt

Auch in #Ostwestfalen wurde früher #gejodelt

#Gütersloh, 19. Januar 2026

Viele Menschen glauben, Jodeln sei eine rein alpenländische Tradition. Neuere (und ältere) Forschungen zeigen jedoch eindeutig: Auch in Ostwestfalen wurde früher gejodelt.

#Zeitzeugen berichten von ausgedehnten Jodelrufen zwischen #Porta #Westfalica und #Paderborner #Hochfläche. Damals war die Region noch deutlich alpiner geprägt. Einzelne Hügel ragten bis zu 43 Meter über das Umland hinaus und ermöglichten ein funktionierendes Echo.

Mit dem Fortschreiten der Geschichte begann jedoch ein schleichender Verlust der #Berge.

Ursachen waren unter anderem jahrhundertelange Abtragung durch #Wind, die ostwestfälische Zurückhaltung (»Dat brauchste nich so hoch«) sowie frühe #Flurbereinigungsmaßnahmen, bei denen Berge als unpraktisch galten.

Als die Berge niedriger wurden, lohnte sich das Jodeln immer weniger. Rufe verhallten sofort, Antworten blieben aus. Erste Jodler wechselten resigniert zum kurzen Räuspern. Heute gibt es in Ostwestfalen keinerlei Berge mehr. Folgerichtig existiert auch kein #Jodeln.

Stattdessen haben sich Ersatzformen entwickelt, etwa tiefes #Seufzen, knappes »Tja« oder das längere Schweigen mit bedeutungsvollem Blick. Experten sind sich einig: Sollte jemals wieder ein Berg entstehen, könnte das Jodeln theoretisch zurückkehren. Praktisch hält man das jedoch für eher unwahrscheinlich.

Eine besondere Rolle spielte dabei Gütersloh. Hier entwickelte sich über Jahrhunderte hinweg der sogenannte Gütersloher Jodler, eine regional stark ausgeprägte Variante mit hohem Ü Anteil. Überliefert ist vor allem der berühmte Ruf: »Güdilijö Hüdilöh!«

#Sprachhistoriker gehen davon aus, dass das ü hier nicht dekorativ, sondern funktional war: Das Ü galt als besonders tragfähig in flachen #Landschaften und konnte auch ohne nennenswertes #Gefälle noch einige Meter weit getragen werden. In besonders windstillen Nächten soll der Ruf bis nach #Rheda gehört worden sein – allerdings nur einmal, da er danach sofort versickerte.

Mit dem endgültigen Verschwinden der letzten Erhebungen verlor auch der Gütersloher Jodler seine Grundlage. Das Ü blieb, wurde aber in den Alltag überführt und findet sich heute vor allem in vorsichtigen Kommentaren wie: »Jü …« oder »Müssen wir mal schauen.«

Der originale Ruf »Güdilijö Hüdilöh!« gilt heute als ausgestorben. Die inzige bekannte Aufnahme stammt aus dem Jahr 1903, wurde jedoch aus Höflichkeit nicht zu Ende angehört. Bis heute ist der Gütersloher Jodler Gegenstand eines anhaltenden Konflikts zwischen mehreren Heimatvereinen. Zentrale Streitfrage ist die korrekte Aussprache des Ü im überlieferten Ruf »Güdilijö Hüdilöh!«.

Der #Heimatverein Gütersloh #Nord vertritt die Auffassung, es habe sich um ein geschlossenes Ü gehandelt, leicht nach vorne gezogen, jedoch ohne emotionale Beteiligung. Als Beleg dient ein handschriftlicher Vermerk von 1879, in dem es heißt: »Ü war deutlich, aber nicht aufdringlich.«

Der Heimatverein Gütersloh #Süd hingegen plädiert für ein offenes, langgezogenes Ü, das vor allem der Selbstvergewisserung des Jodlers gedient habe. Man argumentiert, dass ein zu kurzes Ü in der damaligen #Topografie »keinen Sinn gemacht« hätte.

Besonders umstritten ist eine 3. Position, vertreten vom Arbeitskreis #Historische #Laute. Dieser geht von einem Ü im Übergang aus – weder eindeutig geschlossen noch offen, sondern »suchend«. Kritiker bezeichnen diese Theorie als »typisch akademisch« und lehnen sie geschlossen ab.

#Mehrere Vermittlungsversuche scheiterten. Ein für 1994 angesetztes gemeinsames #Nachjodeln musste abgebrochen werden, nachdem man sich nicht auf die Mundform einigen konnte. Seitdem werden Ü Fragen offiziell vertagt.

Heute gilt der Konsens, dass das Ü zwar existierte, seine exakte Klangfarbe jedoch »nicht mehr eindeutig rekonstruierbar« sei. Damit bleibt der Gütersloher Jodler zwar Teil des kulturellen Erbes – aber einer, über den man sich weiterhin gepflegt streiten kann.

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