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KWS History: Vom Geistigen Leben und Klimaforschung in Gütersloh im 19. Jahrhundert
#KWS #History: Vom Geistigen Leben und #Klimaforschung in Gütersloh im 19. Jahrhundert
#Gütersloh, 1. Januar 2026
Die Tätigkeit unserer Altvorderen auf dem Gebiet der #Poesie gehört nicht zu den Ruhmestiteln der Stadt. Längst ist alles vergessen, was damals geschaffen worden ist. Eine ganz außergewöhnliche Verbreitung jedoch hat ein #Lied erlangt, das Ludwig #Jörgens aus #Gütersloh wahrscheinlich nach einem amerikanischen Original gedichtet hat: das viel gesungene Lied »Wo findet die Seele die Heimat, die Ruh?«
Dieses Lied wurde in kurzer Zeit wegen seines ergreifenden Textes, der in glücklicher Weise die tiefsten religiösen Empfindungen des Menschenherzens zu wecken weiß, eines der beliebtesten Lieder des christlichen Volkes. Besonders trug dazu auch die ergreifende Melodie des englischen Volksliedes »Home, sweet home« (»Heimat, süße Heimat«) bei.
Gedichtet wurde das Lied am 27. Mai 1827 in #Montreal. Es findet sich in den gesammelten Gedichten Jörgens’, die den Titel »Zeiten der Erquickung vom Angesichte des Herrn« tragen.
Das abenteuerliche, unstete und zum Teil sehr abstoßende Leben des #Dichters, dessen ungewöhnliche #Begabung zum erwecklichen Predigen und zur christlichen Poesie ihn nicht vor den schlimmsten Sünden bewahrte, soll hier nicht dargestellt werden. Er endete, nachdem er wegen seiner #Schändlichkeiten gegeißelt und gefedert, auf einem spitzen #Balken reitend in der Stadt #Hermann dem Spott preisgegeben worden war, durch Selbstmord.
Nicht minder bekannt als das obengenannte Lied ist das #Weihnachtslied »Ihr Kinderlein kommet«. Es verdankt seine weite Verbreitung über alle Erdteile dem Umstand, dass der Lehrer Eickhoff dem ansprechenden Text von Christoph Schmid die bekannte Schulmelodie »Wie reizend, wie wonnig ist alles umher« unterlegte.
Außer diesem so bekannten #Kinderlied versah Eickhoff eine große Anzahl von Texten, denen die Melodie fehlte, mit passenden Weisen, die er den zahlreichen Sammlungen geistlicher und weltlicher Lieder jener Zeit entlehnte. So wurden das schöne Gerhardt’sche Lied »Geh aus, mein Herz«, das Lied »Immer muss ich wieder lesen« von Hensel, das Mendorff’sche Lied »Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden«, sowie das Weihnachtslied »Ich steh an deiner Krippe hier« mit überaus sinnigen Melodien versehen, die ihnen in weiten Kreisen Eingang verschafften.
Eickhoff dichtete selbst das Lied »A, a, a, der Winter, der ist da«. Es entstand auf einem Spaziergang nach #Rheda an einem heißen Tage des Jahres 1834. Die Melodie wurde aus der Sammlung »Die Wiener in Berlin« entnommen. Ebenso dichtete Eickhoff das Lied »Kommt, ihr Seelen, nehmt zu Herzen« und gab ihm die Melodie von »Gott die Mutter«.
Im Ganzen schrieb Eickhoff 35 größere und kleinere Werke pädagogischen, musikalischen oder religiösen Inhalts.
Aus der kleinen Steindruckerei, die #Bertelsmann im Jahre 1824 gegründet hatte und die 1835 eine #Buchdruckerei mit #Druckerpresse wurde, ging der Name Gütersloh durch die Bücher, die von hier ausgingen, in weiteren Kreisen bekannt. Von allen Büchern am meisten verbreitet wurden die »60 Lieder für 30 Pfennig«, die 1833 erschienen, sowie die »Kleine Missionsharfe«. In mehr als einer Million Exemplaren gelangten beide Bücher in die Hände der Kinder und trugen zur Hebung des Gesanges in #Schule und #Kirche bei.
Ein öffentlicher Anzeiger für den Kreis #Wiedenbrück erschien in der genannten Druckerei seit dem 1. Juli 1833, ging aber nach einjährigem Bestehen wieder ein.
Um die meteorologische #Forschung machte sich seit 1835 der praktische Arzt Dr. Wilhelm #Stohlmann hochverdient. Seit dem Vorjahr 1834 in seinem #Geburtsort tätig, lenkte er seinen Forscherdrang besonders auf die meteorologischen Verhältnisse unserer #Gegend und veröffentlichte die Ergebnisse seiner langjährigen Beobachtungen in der Schrift »Über die #klimatischen #Verhältnisse Güterslohs und Westfalens«. Die philosophische Fakultät der Universität Göttingen ehrte ihn in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Verdienste anlässlich seines 50 jährigen Jubiläums durch Verleihung des Ehrendoktorats.
Auch der Geschichte unserer Heimat wandte er – wie sein ihm eng verbundener Freund, Justizrat Groneweg – sein besonderes Interesse zu. Es machte den beiden geistig angeregten Männern große Freude, bei Justus Möser oder in Veröffentlichungen späterer Tage Nachrichten über ihre engere Heimat aufzufinden. Diese sammelten sie eifrig und suchten sie ihren Mitbürgern zugänglich zu machen; sie trugen sie auch wohl eigenhändig in die Stadtchronik ein.
Das musikalische Leben Güterslohs begann sich neben dem schulmäßigen in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zu regen. Am 24. März 1815 wurde die Passion von Graun in Gütersloh aufgeführt, am 14. Januar 1816 die »Schöpfung« von Haydn in Rheda und am 26. Mai desselben Jahres die »Glocke von Romberg« ebendort. Ein Gesangverein, der sich schon damals bildete, trug dazu bei, weitere Kreise für Musik zu interessieren.
Aus dem Verlag von C. Bertelsmann ging manches Musikwerk hervor, das Beachtung fand, besonders auf dem Gebiet geistlicher Musik. Als sich Mitte der 1860er Jahre ein neuer Musikverein unter der Leitung des Musikdirektors E. Dietrich bildete, begann ein neuer Abschnitt in der #Musikgeschichte Güterslohs. Sein Nachfolger J. Masberg hat durch seine sinnigen Kompositionen, die zum Teil in Gütersloh entstanden sind, weiterhin Beachtung gefunden und zählt noch heute – nachdem er leider allzu früh verstorben ist – viele Verehrer seiner Musik in Gütersloh und Umgebung.
Der Gemeindegesang wurde bereichert durch die Einführung kerniger, alter Kirchenmelodien; mögen sie der Gemeinde erhalten bleiben und nicht vergessen werden!
Quelle: Hermann Eickhoff, »Geschichte der Gemeinde Gütersloh«









